Parallelvertrieb von Medikamenten


    Gegengewicht zur Monopolsituation des Patentrechts

    Einwände

    Der Parallelhandel ist in die Kritik geraten. Insbesondere den multinationalen Pharmakonzernen ist er ein Dorn im Auge, da die Parallelprodukte den Direktimporten der Hersteller Konkurrenz machen und die Preise drücken. Wir möchten den ungerechtfertigen Vorwürfen entgegen treten.

    „Nur der Zwischenhändler profitiert.“

     

    Es liegt in der Natur der Sache, dass Importeure, Großhändler und Apotheken am Arzneimittelimport verdienen wollen und auch müssen, andernfalls würden sie dieses Geschäft nicht betreiben können. Einsparungen durch die Verwendung von preisgünstigeren parallel vertriebenen Produkten kommen jedoch auch in mehrfacher Hinsicht den nationalen Sozialversicherungssystemen sowie dem Patienten zugute.

     

    So belaufen sich die direkten Einsparungen durch Parallel- und Reimporte für die Gesetzlichen Krankenkassen alleine in Deutschland auf jährlich 240 Millionen Euro – die Prognos Studie zum Importmarkt 2013/2014 spricht sogar von einem Einsparpotenzial von 340 Millionen Euro. Dies merkt der Patient einerseits, wenn er in der Apotheke weniger für sein Medikament zahlen oder zuzahlen muss. Andererseits kommen ihm die Einsparungen in Form stabil bleibender Kassenbeiträge zu gute.

     

    Um ein vielfaches höher sind zudem die indirekten Einsparmöglichkeiten. Das Vorhandensein der günstigeren Parallelimporte sorgt für mehr Wettbewerb auf dem streng regulierten Arzneimittelmarkt und veranlasst die Markenhersteller, ihre eigenen Preise zu senken oder zumindest stabil zu halten.

     

     

    Zurecht verlangen daher einige Regierungen von den Apothekern, ihre Patienten über preisgünstigere gleichwertige Produkte zu informieren. In Deutschland haben Apotheker etwa eine gesetzliche Verpflichtung zur „Abgabe von preisgünstigen importierten Arzneimitteln“, die in § 129 des Sozialgesetzbuches V niedergelegt ist.

     

     

     

    „Für den Patienten hat das keine Vorteile.“

    Patienten haben als Steuerzahler oder als Mitglied von Krankenversicherungen ein eindeutiges Interesse daran, dass ihre Beiträge vom gesetzlichen Gesundheitssystem sinnvoll verwendet werden. Moderne, innovative Medikamente sind oftmals effektiver als die Vorgängerprodukte, doch können ihre Preise mitunter zu hoch sein, um bei den bestehenden Budgetrestriktionen ohne Einschränkungen verwendet zu werden. Gibt es diese Produkte hingegen als importiertes Äquivalent, ist der Preis pro Einheit niedriger, so dass mehr Patienten von diesem Medikament profitieren können.

    Verbraucher sparen zudem direkt, indem sie an der Apothekenkassen weniger ausgeben müssen: Dies trifft besonders auf so genannte Lifestyle Medikamente und Kontrazeptiva zu, die – wenn überhaupt – nur teilweise von den Krankenkassen erstattet werden.

     

     

    „Die Patienten werden durch die ausländische Verpackung irritiert.“

     

    Um den EU- und nationalen Gesetzgebungen zu entsprechen, müssen Parallelarzneimittel eine Beschriftung sowie eine Packungsbeilage in der jeweiligen Landessprache erhalten. Der Text wird von der jeweils zuständigen Zulassungsbehörde genehmigt. Dies erhöht Transparenz und Verständlichkeit für den Patienten und verhindert die Gefahr falscher Anwendungen.

     

    Auf die Qualität des Produkts hat dies selbstverständlich keine Auswirkungen: Parallel- und reimportierte Arzneimittel sind therapeutisch identisch mit dem entsprechenden Bezugsarzneimittel, d.h. beide Medikamente sind völlig gleich in Wirkung und Anwendung. Dem Patienten entstehen durch die Verwendung von Parallelimporten – insbesondere dank den vorschriftsmäßigen Beschriftungen und Informationen in der eigenen Landessprache – keinerlei Nachteile oder Schwierigkeiten in der Anwendung.

     

     

     

    „Parallel- und Reimport ist ein Absatzkanal für Fälschungen, Raubkopien und Produkte von minderwertiger Qualität.“

     

    Re- und parallelimportierte Medikamente sind Produkte des Originalherstellers. Sie sind in Wirkung und Anwendung völlig identisch mit der nationalen Standardversion. Parallelimporte unterliegen zudem strengsten Überwachungsmaßnahmen durch die zuständigen Zulassungsbehörden – in Deutschland etwa durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und den Aufsichtsbehörden der Bundesländer.

     

    Importe sind gleichwertige und sichere Arzneimittel. Indem Importeure jede einzelne Verpackung und Beipackinformation überprüfen und unter die Lupe nehmen, tragen sie maßgeblich zu einer sicheren Arzneimittelversorgung bei. Dank dieser Qualitätsprüfungen sind Importeure eine zusätzliche Kontrollinstanz in der Lieferkette von Medikamenten.
    Im Rahmen des EU-Pilotprojekts securPharm leisten die Mitglieder des VAD zudem einen wesentlichen Beitrag zur Etablierung nachhaltiger Verifizierungsstrukturen in Europa.

     

     

     

    „Der Import schädigt Europas Industriebasis.“

     

    Die europäischen Gesundheitssysteme werden hauptsächlich von multinationalen Pharmakonzernen beliefert, die wiederum zu einem großen Teil in amerikanischer Hand sind. Die Unternehmen produzieren in der Regel im außereuropäischen Ausland und liefern ihre Arzneiprodukte anschließend an die Abnehmer in Europa. Zur europäischen Industrie tragen die Unternehmen nur marginal bei – Arbeitsplätze entstehen in anderen Teilen der Welt.

     

    Parallelimporteure hingegen sind in ihrem Heimatland verwurzelt und avancieren zunehmend zu wichtigen Arbeitgebern. Allein in Deutschland sind mittlerweile rund 3.000 Menschen im Parallelhandel beschäftigt. Dank wachsender Nachfrage nach den preisgünstigen Produkten wird sich der Aufwärtstrend in den nächsten Jahren ohne Zweifel fortsetzen.