Presse

16. Dezember 2011

CC Pharma kommt Ausschluss aus VAD zuvor Merzig (16.12.2011) Der Verband der Arzneimittel-Importeure Deutschlands e. V. (VAD) hat gestern die fristlose Kündigung des Mitgliedsunternehmens CC Pharma GmbH aus Densborn erhalten ...mehr

25. Februar 2011

Importeure betreiben seriöses Geschäft Merzig (25.02.2011) Wie verschiedene Staatsanwaltschaften bestätigten, wird zur Zeit gegen einige Pharmagroßhändler ermittelt ...mehr

21. Mai 2010

Auch Private zahlen mehr Erhöhung des Herstellerrabattes trifft auch privat Versicherte ...mehr

19. Mai 2010

Griff in die falsche Tasche Stellungnahme des Verbandes der Arzneimittelimporteure Deutschland ...mehr

30. April 2010

ENVI-Entscheidung mit Augenmaß VAD begrüßt den Beschluss des Gesundheitsausschusses ...mehr

VAD im Gespräch


Edwin Kohl, Vorstandsvorsitzender des VAD, bezieht Stellung zu Entwicklung, Herausforderungen und Zukunft des Parallelhandels in Europa.


Seit 30 Jahren gibt es nun den Re- und Parallelimport von Medikamenten in Deutschland. Wie hat sich die Branche seit den Anfängen entwickelt?

Zu unserer Freude hat sich der Parallelhandel inzwischen als Nischenmarkt durchaus etabliert. Als wir vor dreißig Jahren die ersten Schritte im Importgeschäft mit Arzneimitteln unternommen haben, war dies noch ein Wagnis mit ungewissem Ausgang. So war etwa keineswegs gewiss, dass die Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes in den Folgejahrzehnten so rasant und erfolgreich von statten gehen würde. Heute gehen täglich 60.000 Arzneimittelpackungen aus dem Parallelhandel über den Ladentisch der Apotheken. Und auch der Jobeffekt ist erfreulich: Inzwischen werden rund 3.000 deutsche Arbeitnehmer dank des Importmodells beschäftigt.

Welche Rolle genau haben der europäische Binnenmarkt und seine schrittweise Verwirklichung gespielt?


Eine entscheidende Rolle: Der gemeinsame Markt und die Umsetzung der vier Freiheiten haben den Parallelhandel erst möglich gemacht. Durch die weitere Realisierung des gemeinsamen Marktes in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurden dann Schritt für Schritt nationale Gesetze und Vorschriften immer weiter harmonisiert, etwa in der Arzneimittelprüfung und -zulassung sowie bei Sicherheitsbestimmungen. So konnte der Parallelhandel im Laufe der Zeit die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen nationalen Arzneimittelmärkten immer besser und umfangreicher nutzen, um deutsche Patienten mit günstigeren Medikamenten bei gleich bleibender Qualität zu versorgen.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg? Welche Vorteile bieten die parallel importierten Arzneimittel?


Ganz klar: Parallelimporte senken die Kosten für Medikamente. Davon profitieren Patienten ganz direkt, wenn sie in der Apotheke weniger für ein Mittel bezahlen oder zuzahlen müssen. Noch um ein vielfaches stärker ins Gewicht fällt dieser Effekt natürlich bei den Krankenkassen, für die Arzneimittel ein großer Ausgabenposten sind und die daher unter den hohen bzw. weiterhin steigenden Kosten für Medikamente umso stärker leiden. Der Parallelhandel schafft hier Einsparmöglichkeiten in spürbarem Ausmaß.

Welches Einsparungsvolumen ist realistisch?


Die Gesetzlichen Krankenkassen gehen derzeit von bis zu 388 Millionen Euro aus, die im Gesundheitswesen durch parallel importierte Medikamente eingespart werden können. Da Arzneimittel in Deutschland im Ländervergleich sehr teuer sind, ermöglichen wir einen um durchschnittlich zehn Prozent niedrigeren Verkaufspreis.

Welchen Einfluss haben Parallelimporte auf den Gesamtarzneimittelmarkt?


Parallel- und reimportierte Medikamente bewirken neben den direkten Kosteneffekten zusätzlich einen belebenden Preiswettbewerb, der in diesem ansonsten sehr streng regulierten Marktumfeld fehlt. Das betrifft natürlich insbesondere das patentgeschützte Marktsegment. Die Einführung oder mitunter allein schon die Ankündigung zur Einführung von parallel importierten Arzneimitteln veranlasst die Hersteller der deutschen Äquivalente dazu, ihre Preise zu senken oder auf Preiserhöhungen zu verzichten.

Werden die Einsparmöglichkeiten des Arzneimittelimports von der Politik genügend gefördert?


Die deutsche Bundesregierung ist sich unseres Beitrags zur Kostensenkung bewusst und hat sich an verschiedenen Stellen für Parallelimporte ausgesprochen. Gerade auf europäischer Ebene ist aber die Lobby gegen den Parallelhandel leider sehr einflussreich. Die Markenhersteller möchten natürlich ihre hohen Preise gerade im Bereich der patentgeschützten Medikamente beibehalten. Der Parallelhandel und der durch ihn initiierte Preiswettbewerb sind diesen Unternehmen ein Dorn im Auge. Sie nutzen zunehmend ihre große Lobbyingmacht, um die Politik zu ihren Gunsten zu beeinflussen und uns Parallelhändlern das Geschäft schwer zu machen. Wir Importeure müssen da mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln aktiv dagegen angehen. Nicht zuletzt handeln wir im Sinne eines der wichtigsten Grundpfeiler der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft: des freien Warenverkehrs. Der Politik muss daran gelegen sein, uns hierbei zu unterstützen.

Welche Rolle spielt da der VAD?


Wir wollen in unserer Verbandsarbeit sicherstellen, dass die durch den Parallel- und Reimport erzielten sozialen und wirtschaftlichen Gewinne von Regierungen, Behörden und der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Dafür verfolgen wir eine kohärente und transparente Politik. Da unsere Branche gerade mal zwei Prozent des europäischen Gesamtmarktes ausmacht, sind unsere Mittel natürlich begrenzt. Doch wir sind davon überzeugt, dass die Vorteile des Parallelhandels langfristig überzeugen können.

Immer wieder werden Bedenken hinsichtlich der Sicherheit bei Importen geäußert. Wie gewährleisten Sie die Arzneimittelsicherheit?


Zunächst handelt es sich bei den von uns vertriebenen Medikamenten um Markenpräparate, die vom deutschen BfArM auf ihre therapeutische Identität geprüft wurden. Um den Anforderungen des deutschen Gesetzgebers zu entsprechen, müssen die Arzneimittel nach dem Import umverpackt werden. Sie erhalten die in Deutschland vorgeschriebene Beschriftung sowie einen entsprechenden Beipackzettel in Deutsch. Dies dient insbesondere der Patienteninformation und schließt die Gefahr aus, dass Medikamente im Ernstfall falsch angewendet werden. Als Händler müssen wir darüber hinaus denselben Anforderungen genügen wie die Arzneimittelhersteller und benötigen eine formelle Herstellungserlaubnis. Dies bringt nicht nur im Vorfeld der Zulassung ausführliche Prüfungen mit sich, sondern umfasst auch anschließend regelmäßige Kontrollprüfungen.

Bleibt die Frage nach der Zukunft der Unternehmen. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?


Der einheitliche europäische Gesundheitsmarkt steckt noch in den Kinderschuhen und ich bin sicher, dass hier spannende Zeiten auf uns zukommen. Die Märkte werden immer weiter integriert, die Regeln harmonisiert – für den Parallelhandel werden sich hier große Chancen eröffnen. Auch die Osterweiterung der EU hoffen wir, noch stärker nutzen zu können. Angesichts der teilweise schwierigen Verfassung der Gesundheitssysteme in den europäischen Ländern sowie auch der demographischen Entwicklung werden Einsparmöglichkeiten bei Beibehaltung einer hohen Versorgungsqualität von wachsender Bedeutung sein.

Das Interview mit Edwin Kohl ist ein Auszug aus der VAD-Broschüre "30 Jahre Parallelhandel mit Arzneimitteln", Merzig 2009.

PDF der Broschüre (3.7 MB)

PDF der englischen Broschüre (3.6 MB)


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